Der Auwald in Speyer

Der Auwald in Speyer – ein wichtiges und wertvolles Biotop unserer Stadt.

 

 

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Führung von Hermann Stegmüller im Urwald Auwald

Die Vielfalt an Arten unseres Speyerer Auwaldes ist so außerordentlich, dass ihn die Europäische Kommission als EU- Vogelschutzgebiet und  Fauna-Flora Habitat (FFH)-Gebiet (Natura 2000 Gebiete) ausgewiesen hat. Dies ist nicht nur eine Anerkennung für unsere Region, sondern auch eine Verpflichtung, dieses in Speyer einzigartige Stück Natur und damit den Lebensraum vieler seltener Arten, besonders zu schützen. Der Speyerer Auwald ist zu 95% ein Hartholzauenwald. Diese Auwälder gehören zu den am stärksten bedrohten, und letztendlich unersetzbaren Waldbiotoptypen in Deutschland. Wie im Urwald kommt man sich bei einem Gang durch die Hartholzaue vor, wenn sich insbesondere in den Waldrandbereichen ein Schlingpflanzengewirr aus wildem Hopfen, Efeu und Waldrebe an den Altbäumen emporrankt. Von den ebenfalls bedrohten Weichholzauwäldern, in denen die Silberweide als Bestands bildende Baum – und Strauchart vorkommt, entfallen auf den Speyerer Auwald leider nur noch wenige Hektar. Die große Artenvielfalt an Bäumen und Sträuchern, an üppiger Vegetation und an mitunter seltenen Tierarten gedeiht in den Auen vor allem durch das kleinflächige Mosaik unterschiedlicher Standortverhältnisse: Überflutete, kaum oder nicht  überströmte Bereiche wechseln sich ab. Von entscheidender Bedeutung für den Auwald ist es,  die Zusammensetzung der Pflanzengemeinschaft in seiner Vielfältigkeit und Wertigkeit eines Biotops zu beachten und zu erhalten. Eine Vielfalt an Tierarten ist in naturnahen Auelandschaften zu Hause. Auf engem Raum begegnet man hier beispielsweise Vogelarten, die in anderen Landschaften oft selten und meist nur noch  weit verstreut vorkommen.

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Auelandschaften sind selten geworden in Mitteleuropa. Etwa seit Mitte  des letzten Jahrhunderts mussten immer mehr Auwälder Fluss- und Bachregulierungen, sowie forstwirtschaftlicher Nutzung  weichen. Auch die mit den wilden, unverbauten Flüssen symbiotisch verbundene Pflanzen- und Tierwelt ist damit stark gefährdet. Doch während der Naturschutz sich die Erhaltung dieser einzigartigen und wertvollen Auwälder zum Ziel setzt, spielen forstbetrieblich erfahrungsgemäß vorrangig wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle. Wer genau hinschaut, stellt fest, dass sich der Auwald in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Auffälligstes Merkmal ist, dass der Wald an vielen Stellen heller und aufgelichteter ist. Wo früher dichtes Unterholz unter den hohen Bäumen stand, kann man heute zum Teil hunderte Meter weit in die Tiefe des Restwaldes schauen. Im Spätsommer blüht dann auf hektargroßen Flächen die Riesengoldrute. Was für den Spaziergänger eine Augenweide ist, bedeutet für den Auwald einen großen Verlust. Die bis zu zwei Meter hohe Goldrute, ist keine einheimische Pflanze, sie wurde aus Amerika eingeführt. Sie verdrängt nachhaltig andere einheimische Pflanzen, wie Maiglöckchen, Buschwindröschen und Einbeere. Auch die Sämlinge von Bäumen haben kaum eine Chance, sich gegen die dominante Goldrute durchzusetzen. Ebenso verbreitet sich das Indische Springkraut auf großen Flächen und verdrängt die heimische Flora. Ursache für die starke Ausbreitung der Goldrute wie des Indischen Springkrautes ist die starke Aufhellung des Waldes durch forstwirtschaftliche Eingriffe, hier insbesondere durch das Fällen von Bäumen. Bei geschlossenem Kronendach und dichtem Unterholz haben diese Pflanzen nicht die Möglichkeit sich gegen die angestammte Vegetation durchzusetzen. Eine weitere Veränderung des Auwaldes betrifft die Baumarten. So sind Eichen nur noch in wenigen Auwaldbereichen vorhanden. Bergahorn und Eschen wurden nach dem 2. Weltkrieg aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten heraus bevorzugt gesetzt. Auch gänzlich aueuntypische Bäume, wie die giftige Schwarznuss, wurden angepflanzt und sind auf dem Vormarsch. Die nachfolgenden Ziele sollen für 150 Hektar Auwald gelten, die sich im Besitz der Stadt Speyer befinden:

  1. Erhalt und Pflege naturnaher Silberweidenbestände. Erhöhung ihres Anteils in der Weichholzaue durch Umbau geeigneter Bestände  bzw. durch Neuanlage entsprechender Baumbestände.
  2. Erhöhung des Stieleichenanteils durch Pflanzung und Pflege, wie dies im Winter 2010/2011 schon geschehen ist. Langfristiges Ziel sollten mindestens 10 Alteichen pro Hektar sein. Die Pflanzungen sollten in den bereits stark ausgelichteten Bereichen erfolgen.
  3. Bis auf die wenigen Eingriffe, die der Verkehrssicherungspflicht oder der Verbesserung der Artenvielfalten dienen, sollte mindestens in den kommenden 10 Jahren Hiebsruhe herrschen. Eingriffe im Auenwald sollten nur in Absprache mit dem Umweltamt erfolgen.
  4. Reduzierung und Renaturierung des Waldwegenetzes. Der Auwald  ist mit Wirtschaftswegen weit übererschlossen. Sie zerteilen den Wald in eine Vielzahl kleiner Parzellen, begünstigen somit das Stören der Tierarten und hellen den Auwald unnötig auf.

Ein besonderes Projekt zur Wiederherstellung von Auwäldern ist in der Elbtalaue bei Lenzen in Brandenburg angelaufen. Dort erfolgt in breitem Umfang eine Renaturierung. Grünlandflächen sollen dort wieder zu Auwald werden. Im Rahmen eines groß anlegten Forschungsprojekts werden die Voraussetzungen und Möglichkeiten der Auwaldregeneration auf einer Fläche von ca. 370 ha geplant. Möglicherweise werden Jahrzehnte vergehen, bis der hiesige Auwald bei entsprechendem Schutz  wieder in seiner Ursprungsform zurückgekehrt ist. Aber es sollte jetzt endlich mit dem wirksamen Schutz dieses wertvollen Biotops begonnen werden, insbesondere durch Anpflanzungen mit naturnahen Baum- und Gehölzarten der Rheinauen. Warum Auwälder so wertvoll sind:

  • Schutz vor Hochwasser
  • Reinigung des Wassers und Schutz der Wasserqualität
  • Sicherung der Grund- und Trinkwasserreserven
  • Lebensraum für eine Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten
  • Verbesserung des Kleinklimas durch Beeinflussung von Luftfeuchte und Temperaturunterschieden
  • Biokorridore für die Wanderung von Tier – und  Pflanzenarten
  • Besonders hoher Erholungswert

 

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Im Spätjahr wird der Speyerer Stadtrat darüber beschließen, ob die zur Stadt gehörende kleine Auwaldfläche forstwirtschaftlich genutzt werden kann, oder in ihrer jetzigen Form erhalten bleibt. Lassen Sie uns dafür eintreten, dass in diesem Biotop jegliche forstwirtschaftliche Nutzung unterbleibt, die allenfalls kurzfristige wirtschaftliche Gewinne verspricht und unseren Auwald und seine Lebensformen nachhaltig vernichten würde!    

 

August, 2014 Karin Mohler